1880 – 1900

1899

Louise Adolpha le Beau

Louise Adolpha Le Beau – eine der wenigen Komponistinnen ihrer Epoche – wird Nachfolgerin Richard Pohls beim „Badeblatt“.

Louise Adolpha Le Beau

1898

Pablo de Sarasate

Pablo de Sarasate spielt seine „Carmenfantasie“ und die „Zigeunerweisen“ sowie Édouard Lalos „Symphonie Espagnole“ zusammen mit den Philharmonikern und GMD Hein. Das Publikum tobt.

Pablo de Sarasate

1896

Der „älteste Wagnerianer“ verstirbt in Baden-Baden

Der Musikschriftsteller Richard Pohl, enger Freund von Hector Berlioz und Franz Liszt, einer der treuesten Förderer Richard Wagners sowie einer der renommiertesten Musikschriftsteller Europas, verstirbt in hohem Alter. Über vier Jahrzehnte bestimmten sein Fachwissen und seine Netzwerke das Kulturleben Baden-Badens.

Richard Pohl

1893

Felix Mottl dirigiert die Philharmonie Baden-Baden

Felix Mottl leitete die Uraufführung des „Ring der Nibelungen“ in Bayreuth und war einer anerkanntesten Wagner-Spezialisten seiner Zeit. Häufig fand man den genialen Orchesterleiter am Dirigentenpult des damaligen Baden-Badener Klangkörpers.

Felix Mottl

1892

Ein neuer Chefdirigent für die Philharmonie

Der Dirigent Paul Hein wird aus vielen Bewerbern zum Leiter des Orchesters ausgewählt. Engelbert Humperdinck – der Komponist der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ – kam leider nicht in die engere Wahl.

Eine der ersten Taten von Paul Hein war die Einrichtung eines Zyklus von zwölf Abonnementskonzerten im Winter unter Mitwirkung auswärtiger Künstler. Also: heute gibt es seit ungefähr 130 Jahren ein Konzertabonnement in Baden-Baden.

Paul Hein

1890

Verabschiedung von Miloslaw Koennemann

Der vieljährige Leiter der Philharmonie geht nach 33 Dienstjahren in den Ruhestand. Trotz schwerer Krankheit dirigiert Koennemann am 13. April ein spektakuläres „Abschiedskonzert“. Auf dem Programm stehen u.a. die Ouvertüre zu „König Lear“ von Berlioz, die Ouvertüre zu „Tannhäuser“ von Richard Wagner sowie das Vorspiel zur Oper „Der Bravo“ von Arthur Koennemann, seinem Sohn. Der im Städtchen äußerst beliebte Orchesterleiter stirbt im gleichen Jahr am 28. November 1890.

Zunächst leiten der Konzertmeister Gustav Krasselt und der Kapellmeister Prof. Friedrich C. Koch aus Berlin das Orchester.

Miloslaw Koennemann, erster "Meister vom Stuhl" der Freimaurerloge "Badenia zum Fortschritt"

Im September 1897

Erstaufführung des Doppelkonzertes von Johannes Brahms

Die Philharmoniker gestalten die Erstaufführung des Doppelkonzertes von Johannes Brahms mit Joseph Joachim, Violine, und Robert Hausmann, Violoncello im Weinbrennersaal. Johannes Brahms dirigiert selber im Rahmen eines von Clara Schumann organisierten Privatkonzerts im Weinbrennersaal des Kurhauses.

Joseph Joachim und Robert Hausmann

1886

Franz Lachner am Dirigentenpult

Der berühmte Dirigent Franz Lachner, ein Jugendfreund Franz Schuberts und Kapellmeister der Münchner Hofoper, dirigiert das Orchester. Auch Felix Mottl – Wagners Lieblingsdirigent – leitet Aufführungen des Orchesters.

Franz Lachner

1880

Franz Liszt lädt ein

Das 17. Deutsche Tonkünstlerfest des „Allgemeinen Deutschen Künstlervereins“ findet auf Initiative von Franz Liszt, dessen Werke im Zentrum der Programme stehen, in Baden-Baden statt. Nunmehr seit 40 Jahren ist der weltberühmte Virtuose und Komponist ein treuer Gast Baden-Badens.

Alexander Borodins Endfassung seiner 2. Sinfonie wird unter Leitung von Koennemann uraufgeführt.

Franz Liszt, 1884

1878

Deutsche Erstaufführung des „Danse macabre“ mit dem Komponisten am Dirigentenpult

Camille Saint-Saens – der Schöpfer des „Karneval der Tiere“ dirigiert in Baden-Baden die deutsche Erstaufführung seines „Danse macabre“.

Saint-Saens war übrigens ein fabelhaft vielseitiger Künstler, der sich dem hiesigen Publikum nicht nur als Orchesterleiter sondern auch als Pianist und Organist präsentierte.

Camille Saint-Saens

1877

Lichtentaler Sinfonie

Johannes Brahms beendet in Baden-Baden die Komposition seiner seine 2. (Lichtentaler) Sinfonie und spielt Clara Schumann erstmals Teile des Werkes vor.

Johannes Brahms

1877

Johannes Brahms am Dirigentenpult der Philharmonie

Johannes Brahms dirigiert seine „Haydn-Variationen“ und einige der ungarischen Tänze in einem Benefizkonzert für das Orchester. Einen spätes „Dankeschön“ für diese noble Geste.

Ein Blick in die Wohnung von Johannes Brahms in Baden-Baden

1874

Richard Wagner baut kein Festspielhaus in Baden-Baden

Alles war vorbereitet in Baden-Baden für den Musentempel des großen Komponisten Richard Wagner. Der Stadtrat hatte bereits ein wunderbares Grundstück am Ufer der Oos bereitgestellt und wartete nur noch auf die endgültige Zusage des Meisters. Der Entschluss Ludwigs II, in Bayreuth ein Festspielhaus zu bauen, machte diesen Traum der Kulturstadt leider zunichte. Es sollte noch 130 Jahre dauern, bis Baden-Baden endlich ein Festspielhaus bekommt.

Richard Wagner

1873

Kein Märchen aus 1001 Nacht

Nassredin, der Schah von Persien, stiftet 120 Rubel für den Unterstützungsfonds des Orchesters.

Das war damals nicht unwichtig, denn ein Orchestermusiker verdiente damals etwa so viel wie ein Kutscher.

Blick auf das Kurhaus

1872

Die Stadt Baden-Baden übernimmt das Orchester in ihre Trägerschaft

Der deutsch-französische Krieg führt zur Schliessung der Spielbank. Die Stadt Baden-Baden übernimmt das Orchester. So wird es das älteste kommunale Orchester Baden-Württembergs.

Johannes Brahms, Hans von Bülow und Johann Strauss, Sohn sind Gastdirigenten des 56 Musiker zählenden Ensembles.

Endlich ist das Kurhaus komplett beheizbar und öffnet sich ganzjährig seinen Gästen.

Am 29. August ist Johannes Brahms der Solist in Robert Schumanns Klavierkonzert und dirigiert seine A-Dur Serenade.

Am 1. Dezember findet das erste Konzert des jetzt städtischen Orchesters u. a. mit dem „Einzug der Gäste“ aus Wagners „Tannhäuser“ statt. Das war damals „Neue Musik“!

Johann Strauss (Sohn)

1871

Eine große Idee, Wagner in Baden-Baden

Richard Wagner ist erneut in Baden-Baden. Richard Pohl und Franz Liszt regen an, für den großen Komponisten ein eigenes Festspielhaus in Baden-Baden zu errichten.

Bürgermeister Gaus stellt ein wunderbares Grundstück für dieses Projekt zur Verfügung.

Der Weinbrennersaal um 1870

31. Juli 1869

Jacques Offenbach dirigiert die Uraufführung der „Princesse de Trébizonde“

Wieder einmal in Baden-Baden, dieses Mal mit einer Uraufführung einer eigens für Baden-Baden komponierten Operette. Jacques Offenbach dirigiert.

Jacques Offenbach

Im Oktober 1868

„Opérettes d’Offenbach“ mit Jacques Offenbach in Baden-Baden

Ein richtiges Festival mit Operetten von Jacques Offenbach findet statt. Sicherlich ein heiter freches Amüsement mit Meisterwerken der leichten Muse.

Der Meister dirigiert übrigens selber.

Nächtliches Konzert im Konzertpavillon des Kurgartens

1866

Ein Deutsches Requiem

Johannes Brahms vollendet das „Deutsche Requiem“ in seiner Wohnung in Baden-Baden Lichtental.

Er schätzt hier die anregende Nachbarschaft von Waldeinsamkeit, Trubel und hochklassigen Konzertereignissen im Konversationshaus.

Und vielleicht auch das Gläschen Wein in den Lichtentaler Gasthöfen „Löwen“ und „Bären“.

Und sicherlich die enge Nachbarschaft zu Clara Schumann, die ein paar Häuser weiter ihren Wohnsitz hat.

Das Haus von Clara Schumann in Baden-Baden

1864

Richard Pohl

Richard Pohl, einer der renommiertesten Musikkritiker Europas und neben Franz Liszt vielleicht der engagierteste Wagnerianer seiner Epoche, wird Musikredakteur der hiesigen Lokalzeitung „Badeblatt“.

Der hochgeschätzte Literat und Musikkenner ist für viele Jahre der qualifizierte Chronist und Motor des Kulturgeschehens in Baden-Baden sein.

Ein Abend im Weinbrennersaal

1862

Das Theater wird eröffnet, Hector Berlioz dirigiert eine Uraufführung

Endlich – nach 8-jähriger theaterloser Zeit –  wird ein prachtvoller neuer Musentempel eröffnet. Hector Berlioz dirigiert vor einem illustren Publikum (George Bizet und Charles Gounod waren dabei) seine neue Oper „Béatrice et Bénédict“.

Der berühmte Giaccomo Meyerbeer – König der Pariser Oper – kann kein Hotelzimmer mehr bekommen und machte es sich schon auf einer Parkbank an der Lichtentaler Allee bequem. Quasi in letzter Sekunde fand sich ein netter Zeitgenosse, der dem berühmten Komponisten ein Zimmer in seinem Haus anbot.

Johannes Brahms ist zum ersten Male in Baden-Baden und wohnt hier in der Wohnung des weltberühmten russischen Pianisten und Komponisten Anton Rubinstein.

Und Clara Schumann konzertiert erstmals mit Solisten des Orchesters. Partner ist u.a. der Hornist Alphonse Stennebrüggen, „Professeur“ am Straßburger Konservatorium und Solohornist (Naturhorn!) des Orchesters. Clara Schumann wird mit ihren Kindern zehn Jahre lang in Baden-Baden Lichtental wohnen. Bis zu ihrem Tod kehrte sie fast alljährlich nach Baden-Baden zurück, um hier den Geburtstag ihrer Tochter zu feiern.

Hector Berlioz

23. Juli 1861

Attentat auf Kaiser Wilhelm I

An diesem Tag findet ein „Monstre-Concert“ mit drei Orchestern (Sinfonieorchester und zwei Militärkapellen) statt. Ein verdienter Name…

Und es gab in diesem Jahr ein glücklicherweise erfolgloses Attentat auf den treuen Baden-Baden Gast Kaiser Wilhelm I. Ein unerhörter Skandal, der das kaisertreue Städtchen erschütterte.

Attentat auf Kaiser Wilhelm I in der Lichtentaler Allee.

1860

Italienische Nacht am Konversationshaus

Unten sehen Sie eine „Italienische Nacht“ vor dem „Maison de Conversation“, dem heutigen Kurhaus. Man sehe und staune. Oben auf dem Dachfirst des Kurhauses, an den Regenrinnen und an Skulpturen im Kurgarten waren Gasleitungen und -lampen installiert, deren zauberhaftes Licht das ganze Areal in ein magisches Licht tauchte.

In den Bäumen, an der Oos (unserem kleinen Flüsschen) hingen zahllose Laternen usw. Natürlich spielte auch das Orchester. Man strömte nach Baden-Baden.

Heute nennt man so etwas „Event“.

Schön, dass es das nebenstehende Bild gibt.

"Italienische Nacht" vor dem "Maison de Conversation"

1859

Richard Wagner

Richard Wagner besucht die Kurstadt zum ersten Mal.

Im Juli Einweihung des neuen Musikpavillons im Kurgarten; das prachtvolle französische Bauwerk des Architekten Charles Polycarpe Séchan, der auch die Innenräume des Kurhauses neu gestaltete, hat bereits Gasbeleuchtung und wird über 60 Jahre (!) genutzt.

Berlioz dirigiert Teile seines Werkes „La Damnation de Faust“. Pauline Viardot Garcia ist die Solistin

Charles Gounod gastiert in Baden-Baden. Seine Oper „La Colombe“ wird – sechs Jahre vor der Premiere in Paris – in Baden-Baden uraufgeführt.

Der neue Konzertpavillon mit dem damaligen Orchester und Generalmusikdirektor Miloslaw Koennemann

1857

Miloslaw Koennemann übernimmt das „Orchestre de la Conversation à Bade“

Aus dem ersten Dirigat wurde offenbar Liebe auf den ersten Blick. Miloslaw Koennemann – der Militärkapellmeister des Infanterieregimentes „Benedek in Rastatt beginnt seine mehr als drei Jahrzehnte dauernde Tätigkeit als Chefdirigent der Philharmonie Baden-Baden.

Miloslaw Koennemann

1856

Jacques Offenbach gastiert zum ersten Mal an der Oos, zunächst als Cellist, zusammen mit dem Pianisten und Dirigenten Hans von Bülow und dem Harfenisten Pollet.

Es gibt regelmäßig Konzerte zum Saisonhöhepunkt. Am 16. August erleben in Baden-Baden unter dem Dirigat von Hector Berlioz Teile der großen Oper „Die Trojaner“ ihre Uraufführung. Der französische Komponist wird über viele Jahre als künstlerischer Leiter der Baden-Badener Sommerfestspiele tätig sein. Solistin der Veranstaltung war die legendäre Sängerin Pauline Viardot Garcia, die bis zum unseligen deutsch-französischen Krieg in Baden-Baden wohnte.

Die renommierte „Militärkapelle von Karlsruhe und Rastatt“ des Rastatter Militärregimentes „Benedeck“ verstärkt den Baden-Badener Klangkörper bei besonderen Anlässen.

Pauline Viardot-Garcia

1. November 1854

Das „Orchestre de Conversation“ spielt erstmals ganzjährig

Man sieht es nicht, aber es ist wichtig. Endlich sind die größeren Säle im Kurhaus beheizbar. Folgerichtig ist ab sofort das ganze Jahr Saison und die Musiker des Sommerorchesters werden erstmals ganzjährig engagiert. Dieses Jahr darf man als Gründungsdatum der Philharmonie ansehen.

Das „Winterorchester“ besteht aus 16 Musikern, das „Sommerorchester“ ist entsprechend größer besetzt. In der Vorsaison gibt es an jedem Sonntag ein festliches Konzert im Konversationssaal, in der Hauptsaison täglich ein Abendkonzert. Außerdem spielt das Orchester bei den „Réunions-Bällen“ und gibt Sonderkonzerte. Bläser des Klangkörpers spielen jeden Morgen um sieben Uhr im unteren Teil des Kurgartens bei der Trinkhalle für die Gäste, die dort allmorgendlich ihrer Gesundheit mit einer Trinkkur einen Gefallen tun. Im Sommer gibt es am Tag 4 Konzerte. Das ist eine ganze Menge mehr, als man heute gut findet.

Auftritt des Winterorchesters im Florentinersaal des Kurhauses

11. August 1852

Hector Berlioz, über Jahrzehnte Leiter der Sommerfestspiele.

Hector Berlioz dirigiert in Baden-Baden erstmals eines seiner großen Konzerte mit weit über 100 Mitwirkenden – er selber prägte dafür den Begriff „Festival“ – in Baden-Baden.

Die Innenräume des Konversationshauses werden großzügig neu gestaltet.

Das Theater im Haus muss dem Platzbedarf des Spielcasinos weichen. Für einige Jahre hat Baden-Baden kein Theater.

Der Mond über dem "Maison de Conversation"

1850

Ein Trompetenvirtuose als Star des Orchesters

1850 übernimmt der Violinsolist und Kapellmeister Eychler den Dirigentenstab.

Jean-Baptiste Arban, jetzt der berühmteste Trompetenvirtuose seiner Zeit und „Professeur“ mit eigenem Orchester in Paris, ist über viele Jahre Mitglied und Solist des Orchesters.

Jean Baptiste Arban

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